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Die Jahrestagung am 1. Juli 2023 im Wissenschaftlichen Geflügelhof des BDRG (Bruno-Dürigen-Institut)

Vorträge am Vormittag

Im Vorfeld der diesjährigen Jahreshauptversammlung referierten Dr. Mareike Fellmin, Saskia Neukirchen und Magnus Jocks als Wissenschaftler und Mitarbeiter des Bruno-Dürigen-Instituts über laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte am Wissenschaftlichen Geflügelhof (WGH). Außerdem stellte als Gast Armin Six, Genetiker und Rassegeflügelzüchter, die geplante Überarbeitung der Roten Liste für Rassegeflügel vor und welche Änderungen dort umgesetzt werden sollen.

Brut- und Aufzuchtverhalten von belatschten und glattfüßigen Tauben

Den Anfang machte Magnus Jocks, welcher sein Freiwilliges ökologisches Jahr am WGH absolviert und selbst auch Rassegeflügelzüchter ist. Er stellte ein laufendes Projekt über den Unterschied im Hinblick auf Brut und Aufzucht zwischen belatschten und glattfüßigen Tauben einer Rasse vor. Das Projekt wird über die Stiftung für Geflügelwissenschaften gefördert und soll aufzeichnen, ob es Unterschiede zwischen belatschten und glattfüßigen Tauben während der Brut und Aufzucht gibt und wenn ja, ob und wo sich Schwierigkeiten zeigen. Belatschten Tauben wird oftmals nachgesagt, in Brut und Aufzucht höhere Verluste bei der Jungtier­aufzucht zu haben als bei glattfüßigen Tieren.

Diese Untersuchung wurde an insgesamt 8 Paaren glattfüßigen und belatschten Eistauben sowie deren Nachzucht durchgeführt. Die Konturen der Latschen der belatschten Tiere wurden abgezeichnet, um später eventuelle Rückschlüsse auf Aufzuchtanomalien ziehen zu können. Die Befruchtung der Eier wurde am 7. Tag durch schieren überprüft und die geschlüpften Jungtiere am zweiten Lebenstag und dann in wöchentlichem Turnus gewogen. Auch wurde die Interaktion zwischen Elterntieren und Jungtauben am Nest mit Hilfe von Kameraaufnahmen überprüft und verglichen. Herr Jocks konnte keine signifikanten Unter­schiede in Befruchtung, Jungtaubenwachstum oder Interaktion feststellen und einen eventuellen negativen Einfluss durch die Fußbefiederung ausschließen.

Kurzbeinigkeit bei verschiedenen Hühnerrassen

Danach referierte Frau Dr. Fellmin ein abschließendes Mal über die Ergebnisse der Unter­suchung zur Kurzbeinigkeit bei verschiedenen Hühnerrassen. Ein detaillierter Abschluss­bericht über die Untersuchung von Frau Dr. Fellmin findet sich in der JUWIRA-Info 1-2023, Seiten 33 bis 40.

Brustbein-Gesundheit

Frau Saskia Neukirchen stellte das laufende Projekt „Vergleichende Kausalanalyse von Brustbeinerkrankungen bei Legehennen“ vor. Dieses Projekt wird durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gefördert und stellt eine Kooperation zwischen dem WGH, dem Friedrich-Löffler-Institut (FLI) und der Universität Düsseldorf dar.

Die Problematik hinter dieser Untersuchung ist, dass bei auf hohe Legeleistung gezüchteten Hühnern die Demobilisation von Calcium aus den Knochen für die Eiproduktion so hoch ist, dass die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung diesen Verlust nicht mehr ausgleichen kann und somit die Knochen instabiler und poröser werden, was das Risiko von Knochenbrüchen erhöht. Dieser Sachverhalt sollte bei den Hybridhuhnlinien sehr viel deutlicher sein als bei Rassegeflügel, da selbst typische Legerassen nicht auf die hohe Eizahl von Hybridhühnern kommen. Der WGH übernimmt hier die Aufgabe der Haltung und verhaltensbiologischen Untersuchung der zu untersuchenden Gruppen. Es werden 8 Gruppen á 2,12 Tiere unter­sucht. Dabei werden neben drei Linien von Hybridhühnern auch drei legebetonte Wirt­schaftsrassen, welche ursprünglich auch zur Erzüchtung von Hybridlinien genutzt wurden, untersucht (Italiener, Amerikanische Leghorn, Rhodeländer). Zwei weitere Gruppen bilden die Sumatra, welche eine sehr ursprüngliche Hühnerrasse darstellen und keine besonders hohe Legeleistung haben, sowie Rote Kammhühner (Bankivahühner, Gallus gallus), welche die Wildform der Haushühner darstellt.

Förderung und Erhaltung seltener Rassen

Herr Armin Six präsentierte die geplante Neufassung der „Roten Liste für Geflügelrassen“. Der Wunsch einer Überarbeitung der Roten Liste wird aus verschiedenen Kreisen begrüßt. Die bisherige Rote Liste ist selektiv, da hier nur Rassen mit landwirtschaftlichem Hintergrund beachtet werden. Außerdem ist diese Liste zu abstrakt, da hier mit Gefährdungskennzahlen und Schwellenwerten gearbeitet wird, die teilweise zu hoch angesetzt werden. Auch die Tatsache, dass alle Farbenschläge einer Rasse geführt werden, welche vor 1930 anerkannt waren, ist nicht optimal. Herr Six erläutert, dass die ursprünglichen Farbvarianten genetisch gesehen am wichtigsten sind, da hier oft die ursprüngliche Genetik einer Rasse am besten erhalten ist. Als Beispiel wurden von ihm die Rheinländer genannt. Bei dieser Rasse sind die schwarzen die ursprüngliche Variante. Alle anderen Farben sind durch Einkreuzung von anderen Rassen entstanden, welche teilweise komplett andere genetische Ursprünge aufweisen als die eigentliche Rasse. Der Schutz und die Erhaltung dieser Ursprungsformen sind der einzige Weg, die genetische Vielfalt zu erhalten und nicht nur Abbildzüchtungen zu präsentieren. Erfreulicherweise wurde die Idee schon vom ‚Arbeitskreis Kleintiere im Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen‘ des Bundesministeriums begrüßt und soll auch so übernommen werden.

Es bleibt sehr spannend, wie sich die Rote Liste in Zukunft wandeln wird.

Die Vortragsreihe gestaltete sich als spannend und kurzweilig, viele Themen wurden mit großem Interesse der Sitzungsteilnehmer noch diskutiert und allen Vortragenden wurde mit großem Applaus gedankt.

Im Anschluss gab es noch einen gemeinsamen Rundgang im WGH bei dem das ein oder andere Thema nochmal vertieft zur Ansprache kam. Nach einem geselligen Mittagessen konnte nun die eigentliche Jahreshauptversammlung beginnen. 

 

Protokoll der Jahreshauptversammlung 2023

des Fördervereins JUWIRA am Samstag, den 01.07.2023 um 13:30 Uhr im Bruno-Dürigen-Institut am Wissenschaftlichen Geflügelhof des BDRG in Rommerskirchen-Sinsteden

 

TOP 1: Begrüßung der Mitglieder und Gäste, Grußworte der Gäste und Totengedenken

Der 1. Vorsitzende Karl Stratmann begrüßte alle Anwesenden um 13:30 Uhr zur Jahreshaupt­versammlung im Tagungsraum des Bruno-Dürigen-Instituts. Im Besonderen wurde als Ehrengast der Vize-Präsident des BDRG und 1. Vorsitzende des LV Hannover sowie Vertreter der Stiftung für Geflügelwissenschaften Alfred Karl Walter begrüßt. Außerdem wurden als Gäste der Vorsitzende des VHGW Ulrich Krüger zusammen mit seiner Frau, der 1. Vorsitzende des SV der Züchter Antwerpener Bartzwerge Dirk Bellwinkel, sowie die Referenten der Fachvorträge Armin Six, Dr. Mareike Fellmin, Saskia Neukirchen und Magnus Jocks begrüßt.

In seinem Grußwort überbringt Alfred Karl Walter die Grüße des BDRG-Präsidiums und der Stiftung, er erinnert daran, dass Rassegeflügelzucht eine hohe kulturhistorische Bedeutung hat und die wissenschaftliche Forschung am Rassegeflügel unabdingbar dafür ist, dieses kulturelle Erbe auch in Zukunft zu erhalten. Im Angesicht neuer Schwierigkeiten und Heraus­forderungen, wie momentan die Vogelgrippe-Situation in Deutschland, muss der BDRG sich in Zukunft schneller anpassen und reagieren. Die Konzentration des Ausstellungswesens auf Orts- und Regionalschauen ist in dieser Zeit besonders wichtig, um unser Hobby weiter zu erhalten. Auch die Petition „Impfen statt Keulen“, bei der mindestens 50.000 Stimmen benötigt werden, kann massiv dazu beitragen, unsere Forderungen auch auf die politische Ebene zu tragen. Dies ist notwendig, um überhaupt gesellschaftlich verstanden zu werden und unsere Ziele zu erreichen.

Uli Krüger bedankt sich für die Arbeit der JUWIRA und begrüßt die Geländeerweiterung des WGH, da die wissenschaftliche Arbeit mit Rassegeflügel im heutigen Zeitgeist immer wichtiger wird. Des Weiteren unterstreicht er nochmal die Wichtigkeit der Unterzeichnung der Petition und hat seinen persönlichen Mitgliedschaftsantrag für JUWIRA bei Karl Stratmann überreicht.

Dirk Bellwinkel begrüßt die Arbeit der JUWIRA und des WGH. Er überreicht Karl Stratmann für seine gemeinnützige Arbeit im Zuge seines Grußwortes die Ehrenmitgliedschaft im SV der Züchter der Antwerpener Bartzwerge.

Es folgt eine Schweigeminute für die verstorbenen Mitglieder; namentlich erwähnt wurden Helmut van Briel, Helmut Schimpf und Dieter Seinsche.

 

TOP 2: Feststellung der Anwesenheit und der Beschlussfähigkeit der Versammlung

30 Mitglieder sind anwesend und die Beschlussfähigkeit der Versammlung ist gegeben. Entschuldigt haben sich Uli Freiberger, Christoph Günzel, Uwe Johnsen, Katja Komp, Horst Krämer und Günter Stach.

 

TOP 3: Genehmigung der Tagesordnung

Die Tagesordnung wird einstimmig genehmigt.

 

TOP 4: Verlesung der Niederschrift der JHV vom 02.07.2022

Einstimmiger Verzicht auf Verlesung des Protokolls, mit dem Protokoll der JHV 2022 sind die Mitglieder einverstanden.

 

TOP 5: Jahresberichte des Vorstandes

5.1 Jahresbericht des ersten Vorsitzenden                                      - siehe Anhang -

5.2 Jahresbericht des zweiten Vorsitzenden                                   - siehe Anhang -

5.3 Schatzmeister

Boris Schmidt stellte den Kassenbericht für das Jahr 2022 vor. Die Einnahmen aus Mitglieds­beiträgen und Spenden wurden 2022 durch die Einnahmen der Entenei-Lotterie, welche im Frühjahr 2022 am WGH stattfand, ergänzt. Erfreulicherweise konnte der solide Kassen­bestand des Vorjahres weiter gesteigert werden.

Die sortierten und ausgewerteten Unterlagen wurden den Kassenprüfern bereits zu Jahres­beginn zugetragen, heute fand die Belegprüfung statt.

5.4 Diskussion/Aussprache zu den Berichten

Keine Wortmeldungen.

 

TOP 6: Bericht der Kassenprüfer und Entlasstung des Vorstandes

Die Kassenprüfer Stefan Sommer und Rüdiger Metzner bescheinigen eine vorbildliche Kassenführung und beantragen, den Schatzmeister und den gesamten Vorstand zu entlasten. Die Entlastung erfolgt einstimmig.

 

TOP 7: Ergänzungswahlen  

7.1 Zweiter Vorsitzender

Karl Stratmann schlägt Manfred Loick für weitere 3 Jahre als zweiten Vorsitzenden vor. Weitere Vorschläge werden nicht gemacht. Abstimmung erfolgt einstimmig ohne Gegen­stimmen und ohne Enthaltungen. Herr Loick nimmt die Wahl an.

7.2 Kassenprüfer

Turnusgemäß muss ein dritter Kassenprüfer gewählt werden. Dr. Uwe Bamberger wird vorgeschlagen und in Abwesenheit einstimmig gewählt.

 

TOP 8: JUWIRA-Jahrestagung 2024; Orts- und Terminfestlegung

Der Vorsitzende schlägt vor, die JHV wieder am ersten Samstag im Juli stattfinden zu lassen, dies wäre der 06.07.2024.

Turnusgemäß wäre wieder eine Versammlung außerhalb des WGH vorgesehen. Karl Stratmann schlägt hier die Uni Gießen vor, da diese auch eng mit dem WGH zusammenarbeitet (Landentenprojekt). Allerdings wäre 2024 das 20-jährige Jubiläum des WGH, was ein Grund wäre, außerplanmäßig wieder am WGH zu tagen.

Die Mitglieder werden gebeten, sich über diese Vorschläge Gedanken zu machen.

 

TOP 9: Eingehende Anträge

Es wird in den Raum geworfen, ob es sinnvoll wäre, ein Tagesgeldkonto anzulegen, dies würde mehr Zinsen abwerfen. Dieser Vorschlag wird geprüft.

 

TOP 10: Verschiedenes

Karl Stratmann sprach den möglichen Finanzbedarf für in der Planung befindliche Projekte an. Einerseits die Erweiterung des WGH. Dabei will JUWIRA sich an den Kosten der Innen­einrichtung des für die Legeleistungsprüfung geplanten Stalles beteiligen.

Andererseits auch an der weiterführenden genetischen Untersuchung zum Thema "Kurz­beinigkeit" an der Uni Gießen durch Frau Prof. Dr. Gesine Lühken.

Eine Unterschriftenliste zur Petition „Impfen statt Keulen " von den Versammlungsteil­nehmern wurde Alfred Karl Walter übergeben.

Ein neuer JUWIRA-Flyer wurde angesprochen; Manfred Loick und Mario Lamers kümmern sich um den Entwurf.

Keine weiteren Wortmeldungen.

Der Vorsitzende Karl Stratmann bedankt sich für die gut besuchte und konstruktiv verlaufene Veranstaltung.

Ende der Veranstaltung um 15:30 Uhr.

 

gez. Karl Stratmann                                        gez. Mario Lamers

 

Anhang:

Zu 5.1: Bericht des ersten Vorsitzenden

Liebe Freunde des Fördervereins JUWIRA,

auch das letzte Jahr war von besonderen Ereignissen geprägt:

Mit Corona können wir inzwischen umgehen.
An die rasanten Preissteigerungen und die hohe Inflation haben wir uns mehr oder weniger gewöhnt.
Der brutale Angriffskrieg gegen die Ukraine mit dem unsagbaren Leid und den verheerenden Zerstörungen macht uns dagegen weiterhin fassungslos. Damit werden und wollen wir uns nicht abfinden! Dem aufkeimenden Imperialismus in der Welt müssen wir mit aller Entschiedenheit begegnen.

Als wäre das nicht schon genug, bereitet uns in der Rassegeflügelzucht die Vogelgrippe weiterhin große Sorgen. Mit Absagen von Schauen werden wir auch in diesem Jahr leben müssen. Müssen wir uns aber auch mit den massenhaften Tötungen von ganzen Beständen, und der damit einhergehenden Gefährdung von Arten und Rassen abfinden?

NEIN, das können, wollen und dürfen wir nicht! Die uns anvertrauten gefiederten Tiere aller Rassen als Mitgeschöpfe haben unsere Fürsorge und tägliche Verpflegung verdient. Ja, sie haben den Menschen als Partner und müssen sich auf die Züchterinnen und Züchter verlassen können.

Darum fordern wir die Impfung und unterstützen die angelaufene Petition des BDRG. „Impfen statt Keulen“, die sich an den Deutschen Bundestag richtet. Sie haben die Möglichkeit, durch Ihre Unterschrift hier und heute die Aktion zu unterstützen. Eine entsprechende Liste legen wir aus. (Bitte tragen Sie sich nur 1x ein, danke.)

In dem abgelaufenen Jahr fand die JUWIRA-Jahrestagung in den Mischfutterwerken Mannheim -mifuma- statt. Der Geschäftsführer Herr Jürgen Vedder und seine rechte Hand Frau Karin Janssen sowie die Fachexperten des Teams haben wir als kompetente und aufgeschlossene Gastgeber erlebt. Mehr darüber lesen Sie in der Info 1/2023.

Vor Beginn der JHV referierten die Wissenschaftlerinnen Frau Dr. Mareike Fellmin und Frau Saskia Neukirchen zu aktuellen Forschungsprojekten am Bruno-Dürigen-Institut des BDRG und gaben Auskunft über die geplanten Aktivitäten. Dabei standen der Ausbau der Lege­leistungsprüfung verschiedener Rassehühner und die umfassende wissenschaftliche Forschung „Knochenstabilität“ im Fokus. Das letztgenannte Projekt ist eine Gemeinschafts­arbeit des FLI Celle, Frau Dr. Stefanie Petow; der Heinrich-Heine-Universität, Frau PD Dr. Julia Mehlhorn und des Bruno-Dürigen-Instituts des BDRG, Frau Dr. Mareike Fellmin. Es wird finanziell gefördert durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Dass der WGH des BDRG in diese Forschung einbezogen worden ist, können wir als besondere Anerkennung der wissenschaftlichen Arbeit am WGH und als Wertschätzung betrachten.

Ausführlich hat Frau Dr. Mareike Fellmin in unserer Info und auch heute Vormittag über die Untersuchung „Kurzbeinigkeit“ berichtet. Inzwischen liegt die Befreiungsnummer der Aufsichtsbehörde vor, sodass der Abschlussbericht nun auch in vollem Umfang veröffentlicht werden kann. Wenn zu den genetischen Hintergründen weitere Forschungen an der Justus-Liebig-Universität zu Gießen durchgeführt werden müssen, so werden wir diese Arbeiten begleiten und ggf. auch eine finanzielle Unterstützung prüfen. Denn aus unserer Sicht hat das Projekt an Wichtigkeit nicht verloren und ein aussagefähiges und auch in der Praxis umsetzbares Ergebnis sollte weiterhin das Ziel sein.

Die Erweiterung des WGH nimmt Fahrt auf. Der Gesamtvorstand des BDRG hat sich klar für das Projekt ausgesprochen und die konkrete Planung beschlossen. In seinem Vorwort der BDRG-Info 2023 schreibt der BDRG-Präsident Christoph Günzel: „Die geplanten Baumaßnahmen am WGH sind ebenfalls ein Schritt in die Zukunft….“ Und weiter: „Auch der geplante Seminarraum ist ein Schritt von Öffentlichkeitsarbeit nach innen und außen. Ebenfalls besteht Interesse von befreundeten Verbänden, Seminare und Fachschulungen am WGH durchzuführen. Der ebenfalls geplante Fan-Shop wird einen wesentlichen Anteil zu Refinanzierung der Baumaßnahmen beitragen.“

Das, meine lieben Freundinnen und Freunde, ist eine mutige Entscheidung der Verantwort­lichen des BDRG. In einer so schwierigen Zeit, in der wir mit einem beachtlichen Rückgang bei den Mitgliederzahlen auf allen Ebenen zu kämpfen haben und wir die Aufgabe von Zuchten und das Sinken des Ringabsatzes verkraften müssen, wird hier ein klares Zeichen gesetzt. Wir glauben an die Zukunft. Denn die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass auch unsere Vorfahren schwierige Zeiten -darunter zwei Weltkriege- überstanden haben und letztlich gestärkt daraus hervorgegangen sind.

Für die Inneneinrichtung des neuen Hauses darf ich Ihnen Frau Dr. Fellmin heute eine historische Karte einer Grundschule aus dem Fundus des Sohnes unseres verstorbenen Präsidenten Wilhelm Riebniger überreichen.

Das klare Bekenntnis zur wissenschaftlichen Forschung am Rassegeflügel mit dem Ziel, alle Rassen zu fördern und zu erhalten, und zwar unabhängig von individuellen Rassemerkmalen, muss uns weiterhin leiten. Gerade mit dem Blick auf die Verschärfung des Tierschutzgesetzes -hier sind strengere Auflagen und weitreichende Einschnitte bereits beschlossen oder noch in der Vorbereitung- werden wir nur mit einer fundierten wissenschaftlichen Forschung Gehör finden und überzeugende Argumente liefern können. Hier wollen wir uns von JUWIRA gern weiterhin einbringen und gezielt wissenschaftliche Projekte fördern.

Im Rahmen der letzten JUWIRA-Jahrestagung in Mannheim haben wir über die Mitglieder­werbung im Kreis der uns nahestehenden Firmen gesprochen. Nach Absprache im Vorstands­team haben wir diese Aktion zurückgestellt. Wir sind der Meinung, dass in diesen schwie­rigen Zeiten, die besonders auch durch die Absagen vieler Schauen entstanden sind, vermehrt in den Unternehmen auf die Entwicklung der Kosten geachtet wird und wir somit kaum Erfolg haben werden. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir kommen darauf zurück.

Im vergangenen Jahr haben wir vom Vorstandsteam nach der Jahrestagung bei mifuma in Mannheim an der Stiftungsrats- und Kuratoriumssitzung am 10. September als Gast teilgenommen. Zu dieser Tagung im WGH hatten Frau PD Dr. Julia Mehlhorn und Herr Alfred Karl Walter eingeladen. Eine interessante Tagung, auf der die laufenden und geplanten Forschungsprojekte im Detail diskutiert wurden. Alfred Karl Walter, der Vorsitzende des Stiftungsrates, ist auf der letzten BDRG-Bundestagung nun auch zum Verantwortlichen des Präsidiums für die Zusammenarbeit mit dem WGH bestimmt worden.

Anlässlich des Tages der offenen Tür des WGH am 02. Oktober haben wir uns zu einer Vorstandssitzung getroffen.

Die LV-Obleute des Zuchtbuches und die Beauftragten des Tier- und Artenschutzes des BDRG tagten Mitte April 2023 wieder in Haus Düsse. Mario Lamers hat vom JUWIRA-Vorstandsteam daran teilgenommen und auch ein Grußwort gesprochen.

Darüber hinaus stimmen wir uns im Vorstandsteam je nach Bedarf ab und zwar per E-Mail, per WhatsApp oder am Telefon. Somit wurden alle anfallenden Arbeiten zeitnah, verantwortungsbewusst und in harmonischer Atmosphäre erledigt.

Dafür bedanke ich mich ausdrücklich auch an dieser Stelle bei meinen Kollegen im Vorstandsteam und besonders bei Ihnen, bei Euch für die Verlässlichkeit, die Unterstützung und die Treue.

Wir vom Vorstandsteam freuen uns auf eine weiterhin konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des WGH-Teams sowie den Verantwortlichen der Stiftung und des BDRG.

Karl Stratmann

 

Zu 5.2: Bericht des 2. Vorsitzenden

Vor einem Jahr bin ich auf meine Routineaufgaben eingegangen, dabei hat sich nichts geändert, so dass ich mich kurz fassen kann:

  1. a) Das ausführliche Protokoll der letzten Sitzung gibt genaue Informationen über den Versammlungsverlauf und ist sowohl über unsere Homepage als auch im Jahresheft immer nachlesbar.
  2. b) Statt des Protokolls haben wir in der GeflügelZeitung Nr. 22/2022 bewusst einen ausführlichen Tagungsbericht gegeben, der über die Versammlung hinausging und somit interessanter war, gleichzeitig konnten wir auf bürokratische Formalitäten verzichten. Diese Regelung ist heute noch wertvoller, weil die GZ nur noch einmal monatlich erscheint und Floskeln den Wert einer Fachzeitung mindern. Der heutige Morgen hat eindrucksvoll bestätigt, wie wichtig und wertvoll der fachliche Teil für den Tagungsbericht ist.
  3. c) Das Jahresheft wurde einmal mehr sorgfältig zusammengestellt und hat mit 44 Seiten einen guten Umfang erreicht. Anregungen und Verbesserungsvorschläge nehmen wir immer dankbar entgegen. Dasselbe gilt für unsere Homepage.
  4. d) Mit dem aktuellen Heft wurden nicht nur unsere Mitglieder versorgt. Zusätzlich wurden weitere Jahresinfos an 8 SV für insgesamt 21 kurzschnäblige Taubenrassen und 9 SV für 23 stark belatschte Taubenrassen gezielt verschickt, weil diese Merkmale aktuell im Fokus der wissenschaftlichen Forschung sind. Außerdem haben wir 6 KV und 12 Einzelpersonen informiert, auch hier aus besonderem Anlass. Wir haben damit auf die Arbeit am WGH konkret und nachhaltig aufmerksam gemacht.

Diese Aufklärungsarbeit über die Forschung am WGH ist unsere wichtigste und vornehmste Aufgabe. Denn in den letzten Jahren musste ich mich mehrfach mit Problemen beschäftigen, in denen es nicht um das Problem ging, sondern um Prinzipienreiterei. Einmal ging es um Zwerghühner, die über sich selbst hinauswuchsen. Danach um natürliche Bandbreiten in der Anatomie der Tauben. In beiden Fällen haben sich unsere Funktionäre nicht dem Problem gewidmet, sondern schlicht Macht ausgeübt. Wie wollen wir aber z. B. Übertypisierungen und Qualzuchten bekämpfen, wenn wir schon natürliche Relationen nicht mehr richtig einordnen können? Das zeigt, dass der BDRG in allen Bereichen und auf allen Ebenen mehr Kompetenz benötigt, so dass sich der WGH hoffentlich immer mehr zu einem Kompetenz­zentrum für Tierzucht und Tierschutz entwickelt. Dabei geht es nicht um vollständiges Wissen, sondern um Vernetzung, Zusammenarbeit, Fakten. Das ist leicht zu verdeutlichen am Thema Vogelgrippe. Forschung am Virus und zur Bekämpfung der Seuche übersteigen die fachlichen Möglichkeiten des WGH. Hier zeigt sich stattdessen der besondere Wert, sich mit Kooperationspartnern auszutauschen. Die Kernkompetenz des WGH als biologische Forschungseinrichtung liegt bei der Verhaltensforschung. Diese Hauptaufgaben müssen wir weiter ausbauen, denn die Erfahrung zeigt, dass in unserer Laienorganisation die fachliche Kompetenz an Grenzen stößt. Diese Grenzen des Ehrenamtes fordern die Weiterentwicklung des WGH. Der WGH muss dabei kompetenter Gesprächspartner für die Vereine und in der Medienarbeit bleiben, die Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen weiter ausbauen und sich als Fachinstitut gegenüber Behörden entwickeln. JUWIRA fällt hierbei die Aufgabe als Mittler zur Züchterschaft zu.

Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, die Mitgliederwerbung für JUWIRA immer im Blick zu halten. Unsere Einzelmitglieder beginnen mit Dr. Aeckerlein, langjähriger Tierschutzbeauftragter im Rheinland. Seine Nachfolger als Tierschutzbeauftragte waren nicht in unserer Mitgliederliste, aber der in diesem Jahr gewählte Mario Lamers gehört wieder dazu. Lücken dürfen wir nicht zulassen, sondern müssen geschlossen werden.

Mit Werner Assmus und Rainer Dammers gehören zu JUWIRA zwei Urgesteine der Mövchenzucht, aber die nächste Generation in der Züchterprominenz fehlt oft leider in unserer Mitgliederliste. Solche Persönlichkeiten sehe ich heute beim Blick in die Runde. Als Manfred darf ich meinen Namensvetter Manfred Gönsch persönlich ansprechen, der im Präsidium und im Bundesehrengericht segensreich gewirkt hat. Viele der heutigen Funktionärsgeneration haben den Weg zu JUWIRA (noch) nicht gefunden. Als weiteres Beispiel nenne ich Armin Gersitz, auch er ist als Bundesjugendobmann schon lange abgelöst, bei JUWIRA ist er weiterhin Mitglied, der jetzige Amtsinhaber (noch) nicht. Gut, dass bei der BDRG-Tagung 2024 in Essen alle Landesjugendobleute den WGH persönlich kennenlernen, denn die Jugendbildung ist Aufgabe am WGH und der WGH somit wichtig für die Jugendorganisation.

Dasselbe gilt für viele LV-Tierschutzbeauftragte, aber auch für führende Vertreter aus den Preisrichter-Vereinigungen. Die Amtsinhaber vor zwanzig Jahren hielten den JUWIRA-Beitritt für selbstverständlich, die aktuellen Amtsträger oft leider nicht.

Für Vorstandsmitglieder im BDRG-Präsidium und den Fachverband VZV ist es hingegen eine vornehme Ehre, JUWIRA anzugehören. Diesem guten Beispiel sollten andere folgen. In anderen Fachverbänden ist das nicht der Fall, so dass sich hier eine Aufgabe der Mitgliederwerbung herauskristallisiert.

So haben wir viele alte Züchterpersönlichkeiten in unseren Reihen, die in jüngeren Jahren erfolgreich Vereine geführt und andere Ehrenämter ausgefüllt haben. Die Amtsinhaber von heute müssen erkennen, dass sie auch als JUWIRA-Mitglied vorne mitgehen können.

Daran erinnert wurde ich anlässlich des Todes von Dieter Seinsche, der vor dreißig Jahren bei meiner Zulassung als Preisrichter PV-Vorsitzender war und bis zu seinem Tod JUWIRA angehörte. Stichworte wie Qualzucht und Übertypisierung sind weiter aktuell. Vorne mitgehen – mit JUWIRA ist das möglich.

Aktuell haben wir 115 Einzelmitglieder und 107 Vereine und Verbände. Die Mischung stimmt, die Gesamtzahl darf gern weiter steigen.

Als neues Mitglied dürfen wir einen Verein begrüßen, der als Vorreiter selbst viele gute Beispiele im Vereins- und Ausstellungswesen umsetzt: Wir freuen uns über den Beitritt des Rassegeflügelzucht- und erhaltungsvereins Gäuboden und Umgebung e.V., Sitz Straßkirchen, mit seinem Vorsitzenden Franz Hiergeist.

Außerdem begrüßen wir den SV der Züchter der Eistauben mit seinem Vorsitzenden Jürgen Sohl, der nicht nur das Buchgeschenk (Tauben – Züchten mit System, von Axel Sell) für unseren Referenten Magnus Jocks beigesteuert hat, sondern auch seinen Beitritt erklärt hat. Mit diesen guten Nachrichten möchte ich meinen Bericht abschließen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Manfred Loick